Rana Matloub 17.10. - 14.11.2015 Letzte Ausstellung im MOLTI

 

Rana Matloub: Zwischen unendlich weiten Ufern leben wir.

Am 17.10.2015 um 18:30h war Begrüßung durch Norbert Boden, Kunstverein Linz am Rhrein

und die Einführung in die Ausstellung von  Susanne Buckesfeld M.A., stellv. künstlerische Leitung Kunstmuseum Ahlen

 

 

 

Die letzte Ausstellung in den bisherigen Räumen des Kunstverein Linz vor dem Abriss des Hauses wird von Rana Matloub gestaltet. Die Künstlerin ist 1975 in Bagdad (Irak) geboren und lebt seit 1991 im Ruhrgebiet und in Kassel.

Sie geht in ihrer Installation für den Kunstverein Linz wie oft in ihren Arbeiten auf den Ort und die Situation ein - eine Situation des Übergangs, Abbruch und Neuanfang,

 

 

 

 

 

 

 

 

aber vor allem die Situationen dazwischen, das sind ihre Themen.

Ihr Medium ist die (unfertige) Zeichnung, die sie immer wieder variiert und zitiert.

Dabei verlässt sie das Blatt, geht auf und in die Wand, "zeichnet" groß im Raum mit Materialien und Objekten.

Schließlich verwandeln sich ihre Zeichnungen in Texte, Erzählungen und Gedichte, die sie in den Raum hinein abspielt.

Abbruch ist immer Gewalt und Neuanfang schwer, das Dazwischen von Widersprüchen geprägt, was nicht immer leicht auszuhalten ist. - Es sei denn, es beginnt ein Spiel damit - wie in den Zeichnungen und Räumen von Rana Matloub.

 

Rana Hatloub: Zwischen unendlich weiten Ufern leben wir
Eröffnungsrede im Kunstverein Linz am Samstag, 17. Oktober 2015 

Am Beginn der künstlerischen Arbeit von Rana Hatloub steht die Auseinandersetzung mit dem Raum und dem Ort, an dem dieser sich befindet. Dies ist auch hier im Gebäude des Kunstvereins Linz der Fall. Ihre ortsspezifische Ausstellung, bestehend aus Zeichnungen, Objekten, Gedichten und Installationen, bezieht sich nicht nur auf die spezifischen räumlichen Begebenheiten des Kunstvereins -  weshalb sie genauso nirgendwo anders gezeigt werden könnte. Die aus dem Irak stammende Künstlerin beschäftigt sich außerdem mit der wechselhaften Geschichte des Ortes, was zusätzlich zur Einmaligkeit ihrer Ausstellung beiträgt.  
„Zwischen unendlich weiten Ufern leben wir“ lautet der poetische, sehnsuchtsvolle Titel ihrer Schau. In ihm enthalten sind die beiden zentralen Koordinaten der künstlerischen Arbeit Rana Matloubs: der Raum, der sich zwischen den beiden unendlich weit voneinander entfernten Ufern auftut – und damit auch die Zeit, die wir benötigen, um vom einen zum anderen zu gelangen. Lebenszeit zwischen Geburt und Tod mag diese Formulierung umspannen, auch die dieses Gebäudes, das nach dem Ende der Ausstellung endgültig abgerissen werden soll. Zudem knüpft Matloub so auch die Verbindung zur Vergangenheit, die sich hier in dem ehemaligen Kloster und späteren Schul- und Verwaltungsgebäude zugetragen hat und die dem alten Gemäuer spürbar anhaftet. Auch die Entfernung zwischen Individuen kommt darin zum Ausdruck, die bei aller Nähe und Intimität doch nie vollständig überbrückt werden kann. So klingen innerhalb dieses kurzen Textfragments wie beim Anfang eines Gedichts mehr als eine Bedeutungsebene an. Es zeigt sich hier eine grundsätzliche Eigenschaft der Kunst von Rana Matloub: ein Andeuten und bewusstes Offenlassen, woraus bei aller Präzision der Formulierungen die große suggestive Anziehungskraft ihrer Arbeit erwächst.
Hinzu kommt, dass Matloub in ihrer Kunst nicht nur visuelle Bilder, sondern parallel dazu auch sprachlich vermittelte bildliche Vorstellungen erzeugt. Ihre Gedichte und gesprochenen Erzählungen bzw. Erzählfragmente stellen für sie Zeichnungen in Form von Sprache dar, mit denen sie zum Ausdruck bringt, was sie mit dem Zeichenstift nicht vermitteln könnte. Überhaupt ist es ihr daran gelegen, die Besucher ihrer Ausstellung auf mehreren Ebenen anzusprechen und fast alle Sinnesorgane mit einzubeziehen. Durch ihre raumbezogenen künstlerischen Interventionen wird, wer die Ausstellung betritt, unweigerlich ein Teil von ihr. Nicht nur das Auge als Organ einer primär visuell vermittelten ästhetischen Erfahrung wird stimuliert, sondern nahezu der ganze Leib – das Ohr beim Hören ihrer gesprochenen Texte und der musikalischen Intervention, die in dieser Ausstellung erstmals hinzugekommen ist; der Tastsinn beim Erspüren ihrer Materialien oder der sich materiell manifestierenden Setzungen, z.B. bei den in die Wand gefrästen Zeichnungen, die wir haptisch erfassen können; schließlich die Nase beim Geruch der in Zitronenöl getränkten Notenblätter, der sich im ganzen Ausstellungsraum ausgebreitet hat.  
Die rein optisch vermittelten Eindrücke aktivieren eher unsere analytischen Fähigkeiten, auf die wir durch unsere Schulbildung meist in erster Linie trainiert wurden, um unser Leben zu
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bewältigen. Demgegenüber sind Hör-, Geruchs- und Tastsinn viel enger mit einer unvermittelten, direkten Wahrnehmung verbunden, die nicht nur unseren Intellekt, sondern auch unsere Emotionen anregen, die uns aber gewöhnlich viel weniger als Instrument der Erkenntnis dienen als das Auge. Rana Matloub jedoch schließt bewusst all diese Kanäle der Wahrnehmung ein, um uns – im Unterschied zur bloßen Betrachtung – eine möglichst umfassende, man könnte sagen: ganzheitliche Kunsterfahrung zu ermöglichen.  
Beginnen möchte ich nun mit der großen, raum- und wandgreifenden Installation in Form eines Schiffes und dessen Schatten, wobei offen gelassen ist, welche der beiden Silhouetten Vorbild, welche das gespiegelte Nachbild ist. Dieses Schiff und sein Pendant, aus insgesamt 900 Einzelstücken bestehend, scheinen unterwegs ins Nirgendwo zu sein, auf dem Weg zu den unendlich entfernten Ufern – vielleicht den Ufern des Verstehens, die letztlich auch niemals zu erreichen sind. Begreifen können wir hingegen, dass Rana Matoub hier unzählige alte, abgelegte Notenblätter eines Kirchenmusikers verwendet und anschließend in Duftöl getränkt hat, um die durchscheinenden Seiten dann, wie Kinder es tun, zu kleinen Schiffen zu falten. Für die Wand hat sie dafür eigene Zeichnungen ausgewählt, die unserem vollständigen Zugriff durch die Faltungen entzogen bleiben und die wir nur erahnen können, auch wenn sie tatsächlich da sind. Kirchengeschichte und persönliche Geschichte verbinden sich wiederum mit dem Gebäude, in dem vor über 100 Jahren junge Mädchen in einer Klosterschule zu Schwestern ausgebildet wurden, wie die (gegenüberliegende) historische Fotografie zeigt. Dies brachte Rana Matloub ihre eigene Kindheit in Erinnerung, als sie selbst in Bagdad bei Nonnen zur Schule ging.  
Nebenan befindet sich der ehemalige Zeichensaal der einstigen Schule, und Zeichnungen sind es auch, die Rana Matloub mit ihrem intuitiven Gespür für den Raum hier v.a. präsentiert. Einige Arbeiten hat sie schon anderswo gezeigt, doch erscheinen sie hier in der Asbacherstraße leicht verändert, da ihnen durch den anderen, spezifischen Kontext neue Bedeutungsebenen zuwachsen. Bei den vielen weiblichen Figuren lässt sich an ehemalige Schülerinnen, Lehrerinnen oder Büroangestellte denken, die sich hier aufgehalten haben. Einstige Geschlechterrollen mögen in den Sinn kommen, die durch die Betonung der Konturen wie die unvollständig belassenen Entwürfe von Weiblichkeit erscheinen, jedoch durchaus offen für Anpassungen. Andere Zeichnungen hat Matloub direkt auf die Wand aufgetragen, teils an ungewöhnlichen, manchmal auch nur schwer zugänglichen Ecken, mit denen sie den Raum gleichsam als ihren Bildgrund markiert. Noch stärker mit dem Raum verbunden sind jene Zeichnungen, welche die Künstlerin direkt in den Putz hinein gefräst hat. Sie schreiben sich dem Raum unablösbar ein wie seine Geschichte und sind erst dann nicht mehr sichtbar, wenn es auch den Raum nicht mehr geben wird.  
Charakteristisch für die Zeichnungen von Rana Matloub  ist ihr präziser, teils suchend-tastender, teils forsch vorangehender Strich, mit dem sie die Konturen ihrer Figuren umschreibt und alles Unwesentliche weglässt. Daraus ergibt sich einerseits eine große Klarheit, andererseits die bereits angesprochene Offenheit und Ambiguität ihrer Bildsprache. Mit Ausnahme eines Hirsches, der uns direkt anblickt, sind alle anderen Figuren kopflos oder von uns abgewandt. Matloub fordert uns solcherart auf, unsere eigenen Assoziationen an ihre Zeichnungen heranzutragen und die uneindeutigen Leerstellen zu ergänzen – mit Vorstellungen und
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Gedanken, die unseren eigenen Erfahrungen entspringen. Die unzusammenhängenden Töne ihrer Audio-Installation, die keine Melodie bilden, aber dennoch Erinnerungen an bereits Gehörtes wecken, tun ihr Übriges, um unsere Imagination zu stimulieren. Zuweilen fügt sie den Zeichnungen einzelne Worte oder Satzfragmente hinzu, oder sie verleiht den Zeichnungen mit gefilzter roter Wolle eine dezidiert haptische Qualität, die von der Verletzlichkeit des Körpers kündet. Weniger Ausdruck geistiger Prozesse im Sinne des klassischen disegnos, jenem Konzept der Renaissance, das die Zeichnung als Abbild der künstlerischen Idee verstand, handelt es sich bei den Zeichnungen von Rana Hatloub um Verdichtungen auch emotionaler oder sensueller Erlebensmomente. Die Motive fungieren als generell verständliche Codes für individuelle Geschichten, über die wir uns austauschen und mithin verständigen können, gerade weil sie ein kollektives Moment besitzen – über Zeit und Raum hinweg. Es sind gleichsam transkulturelle Behälter, deren narratives Potential sich uns ebenso allgemein gültig wie individuell ausformbar mitteilt.  
Dass die kulturelle Herkunft zwar mitschwingt, aber immer auch transzendiert wird, indem sie als transformierbar und mithin veränderlich erscheint, das zeigen auch die großen Bodenarbeiten im eigentlich nicht zum Kunstverein gehörenden ehemaligen Abstellraum. Die Wände hat Rana Matloub überstreichen lassen, aber so, dass an den Rändern oben und unten die ursprüngliche Wand zu sehen ist und ihre Zeitlichkeit offengelegt wird (wie bei einer der Übermalungen von Arnulf Rainer). Auf dem Boden zeichnet die Künstlerin mit Klebeband, Nagel und Faden, zudem hat sie florale Objekte aus den Seiten alter Kinderbücher geformt. Die Härte und Unverrückbarkeit der Nägel und des industriell vorgefertigten Materials steht in spannungsvollem Kontrast zu der Leichtigkeit und Zerbrechlichkeit der papiernen Blumen, zumal sie nur von Briefklammern zusammen gehalten werden. Wieder klingen fragmentarische Bedeutungsebenen an, die sich jedoch nie ganz entschlüsseln lassen – gerade im Verborgenen und Unausformulierten keimt ihre narrative Kraft.  
Material und Form der Kunst von Rana Matloub beschwören eine starke Sinnlichkeit herauf und ergeben eindringliche, aber sensibel zu uns sprechende Bilder, auch dann, wenn wir sie hören können. Ihre Reflektion dessen, was Bilder vermögen, verweist sehnsuchtsvoll auf ferne Länder und vergangene Zeiten. Rana Matloub macht sie uns gegenwärtig, ohne dass wir ihrer ganz habhaft werden können. Mit ihrem so emphatischen, sinnlich vermittelten Bilderkosmos lockt sie uns auf poetische Reisen ins Ungewisse, verheißungsvolle Ufer im Blick, deren Unerreichbarkeit uns immer wieder aufs Neue verführen mag, wozu ich Sie nun, meine Damen und Herren, herzlich einladen möchte. Ich danke Ihnen  für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen einen anregenden Abend.

Susanne Buckesfeld, Kunstmuseum Ahlen

 

 

Der Abriss ist nicht mehr aufzuhalten!

 

Zu Rana Matloubs Installation „Zwischen unendlich weiten Ufern leben wir“ im Kunstverein Linz 2015

Die definitiv letzte Ausstellung in den bisherigen Räumen des Kunstverein Linz gestaltete Rana Matloub, geboren 1975 in Bagdad, im Oktober 2015. Im Januar wird aller Voraussicht nach mit dem Abriss des großen geschichtsträchtigen Gebäudes begonnen, ein ehemaliges Kloster und Schwesternwohnheim und später Schulgebäude, in der auch viele Linzer die Schule besuchten – und der Kunstverein ist auf der Suche nach neuen Räumen.

Die Künstlerin geht wie auch sonst oft in ihren Werken auf den Ort und die Situation ein – auch ganz konkret, in dem sie ein historisches Foto in die Installation einbezieht, das sie mit einer Zeichnung ergänzt, oder indem sie einen Löffel aus Zeiten des Schwesternwohnheims ausstellt, der im Haus gefunden wurde. Andererseits ist die Installation weit mehr als ein Kommentar zur aktuellen Situation des Kunstvereins, sondern indem sie sehr allgemeine Bilder wählt, eröffnet sie einen großen Denkraum – und die Situation selbst wird zur Metapher für einen Zustand des menschlichen Daseins, den alle Menschen kennen – Zeiten des Übergangs. Das Dazwischen ist ihr Thema, wie ja auch schon im Titel deutlich wird.

Von Widersprüchlichkeiten scheint dieses Dazwischen geprägt zu sein. Im großen Dampfer unterwegs über das Meer zum neuen Ufer – das ist vielleicht der Wunsch oder die Illusion. Dass dieser Dampfer aus lauter Papierbooten (mit Noten und Zeichnungen) besteht ist vielleicht die (innere) Realität. Und noch dazu sind diese Boote nicht ganz: die meisten sind mehr oder weniger entfaltet, sie würden gar nicht schwimmen. Sie werden erst noch zu Booten oder sind es mal gewesen. Ermöglichen diese inneren Melodien und inneren Bilder den Übergang?

Ganz konkret könnte ich mir z.B. Auswanderer auf dem Schiff nach Amerika vorstellen. Äußerlich ist diese Reise ziemlich sicher, es ist immerhin ein großes und stabiles Schiff. Aber selbstverständlich ist die innere Realität eine unsichere. Das ist nicht die Deutung dieser Arbeit (die es so ja gar nicht geben kann), sondern ein weiteres Bild oder Beispiel für diese viel allgemeinere Situation des Dazwischen.

Ein zweites Schiff auf dem Boden? Wie das Schiff, das sich auf dem Wasser spiegelt. Vielleicht ein Hinweis auf die Illusion (die Spiegelung) oder auf das Wasser selbst (das spiegelt), über das das Schiff fährt.

Im Raum gibt es neben dieser raumgreifenden Arbeit mehrere Zeichnungen direkt auf die Wand gezeichnet, schemenhaft. Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, was da ist. Eine Frau geht mit ausgestreckten Armen, scheint zu balancieren. Eine andere hängt an Luftballons – auch nicht das sicherste Fortbewegungsmittel. Bzw. geht das überhaupt? Tragen so wenig Luftballons denn eine Frau?

Zwei Stühle stehen vor einer Wand. Aus dieser Entfernung könnte man so eine Bleistiftzeichnung gut erkennen. Aber an dieser Stelle ist gar keine Zeichnung. Bitte Platz nehmen, was für ein Bild sehen Sie?

Sehr markant und wirkungsvoll die beiden in die Wand gefrästen Arbeiten. Eine mit Regenschirm – mich erinnert sie an das Kinderspiel, dass man bei Wind den Schirm ganz hoch hält, so dass Wind hineinfällt und Auftrieb entsteht, und am liebsten würde man abheben, was natürlich nicht möglich ist. Was heißt hier Kinderspiel – ich mache das immer noch, wenn ich mal einen Schirm dabei habe. Dieser Schirm ist dazu noch zum großen Teil herunterruntergefallen beim Gravieren in die Wand, beim Festhalten für Ewige Zeiten (bis das Gebäude abgerissen wird …).

Die andere Arbeit – besonders beliebt bei Ausstellungsbesuchern, der Hirsch. Von vorne, schaut einem direkt ins Gesicht. Er passt nach Linz am Fuße des Siebengebirges, wo es an manchen Häusern Geweihe zu sehen gibt (und vielleicht noch in manchen Häusern einzelne Hirschbilder aus der guten alten Zeit). Mit einem kurzen Geweih – noch im Wachstum. Für die Kämpfe der Brunftzeit noch nicht geeignet. Angreifbar und verletzlich. Und verletzt, geradezu zerfleddert, auch wenn man es von weitem nicht sieht – da erscheint es wie eine Fellstruktur. Denn die Tapete löst sich auch hier von der Wand. Mehrere Schichten von Tapete kommen hervor, aus alten Zeiten, wie Sedimente, Schichten von Persönlichkeit, mehrere Schutzmäntel.

Im zweiten, kleineren Raum mit Säule in der Mitte und Tafel an der Wand, den der Kunstverein zum ersten (und letzten) Mal für eine Ausstellung nutzen konnte, sind gerahmte Zeichnungen zu sehen, sowie zwei Arbeiten auf dem Boden. Da ist mit gelbem Isolierband ein Stern auf den Boden geklebt. Er erinnert an einen Judenstern, ist aber nicht sechseckig (sondern achteckig – ein arabischer Stern), und dazu perspektivisch verzerrt Uneindeutig. Darüber, an einer langen Reihe von vielen kleinen Nägeln, ein Faden (bzw. eine Schnur, bestehend aus vielen Fäden), der ca. einen Zentimeter über dem Boden zu schweben scheint, was der zunächst zweidimensionalen Arbeit eine reizvolle Räumlichkeit verleiht. Die Arbeit könnte etwas mit Mustern von Ausgrenzung zu tun haben. Die sind oft nicht so eindeutig. Der Faden könnte ein Zaun sein. Dann wäre interessant, wie er verläuft: in Schleifen, das innen wird außen und das außen innen, wie beim Möbiusband.

Dann die Arbeit mit roten Fäden auf dem Boden und Skulpturen aus Papier. Was ist das auf dem Boden? Widersprüchlich: Ein roter Faden lässt sich nicht finden in dem Gewirr aus Wegen, die sich gegenseitig immer wieder unterbrechen. Aber sind das nur einzelne Wege? Das ganze scheint auch einem Muster zu folgen, ist ein Ausschnitt aus einem orientalischen Muster, Arabesken, wie sie z.B. in der Alhambra oder in anderen Palästen und Moscheen zu finden sind. Diese Muster gelangten in den muslimischen Reichen zu besonderer Bedeutung, da ja bildliche Darstellungen nicht erlaubt waren. Sie sind auch Ausdruck einer tatsächlichen mystischen Haltung: Sie beschreiben ein komplexes Gewebe, ein Muster, das kaum zu durchschauen ist. Erkennbar wird es höchstens, wenn man einen größeren Bereich in den Blick nimmt. So ist ja vieles im Leben und insbesondere in Übergangszeiten. Das Muster auf dem Boden ist aber nur ein kleiner Bereich, ein großes Ganzes in seiner Schönheit ist da nicht zu erkennen. Das ist leider oft die Situation, in der wir uns befinden.

Gleich daneben die Skulpturen aus Papier, aus Buchseiten eines Kinderbuches. Der Text, die Geschichte, ist so nicht mehr lesbar. Stattdessen ist jede Seite für sich eingerollt. Zusammen bilden die Seiten eine geschlossene Einheit. Wie ein Mensch von außen betrachtet. Seine Geschichte ist nicht lesbar, höchstens stückchenweise. Ein Muster ist zu sehen von außen, schön zu betrachten, aber da bleibt ein Rätsel. So ergänzen sich das Fadenmuster und die Papierskulpturen.

Die (fast alle) gerahmten Zeichnungen an der Wand haben z.T. einen Bezug zu diesen Skulpturen. So findet sich ein größeres Arabesken-Muster, das hilft, die roten Fäden zu lesen – aber auch da die Unterbrechungen des Musters – es ist nicht ganz richtig. Oder die Zeichnung mit Text keine Liebe/ eine Liebe: so uneindeutig wie das Leben. Ein Spiel. Nicht die schlechteste Haltung für Zeiten des Übergangs – oder auch für ein Leben zwischen unendlich weiten Ufern.

Für den Kunstverein Linz wie auch im ganz allgemein im Zeiten das Übergangs wäre eine spielerische Haltung vielleicht nicht die schlechteste.

Stefan Nadolny

Einige Besucher gehen mit Rana Matloub an Bord ihres Schiffes

 

 

für ein Abschiedsfoto vor dem Abriss

 

 

und andere schauen sich in unserer Weihnachtsgabenausstellung um.

 

 

 

In der Abrissgenehmigung stehen noch zu erfüllende Auflagen. wie:

Eine Fotodokumention des MOLTI's zu erstellen und intakte historische Bauteile sind auszubauen.

 

 

 

 

und hier gehts zur Abrissgenehmigung: Klick

 

 

 

www.ranamatloub.de

0173/644 23 93

Fotos W.W.Diegmann


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