05.10. - 02.11.2013 Lars Ulrich Schnackenberg

 

Professor Ulrich Schnackenberg zu Gast im Kunstverein Linz.


 

„WISSE das BILD“ ist der Titel der Ausstellung, mit der Professor Ulrich Schnackenberg noch bis zum 2. November 2013 im Linzer Kunstverein zu Gast ist. Auf der Vernissage am Samstag, den 5. Oktober, gab Professor Dr. Dieter Ronte, ehemals Direktor des Bonner Kunstmuseums, des Sprengel Museums in Hannover, des Museums Moderne Kunst in Wien, eine Einführung in die Ausstellung und in die Arbeit des Künstlers.


Dr. Dieter Ronte, Wolfgang Diegmann und Lars Ulrich Schnackenberg bei der Begrüßung

Ulrich Schnackenberg wurde 1948 in Bad Reichenhall geboren. Von1970 bis 1972 studierte er Design an der Augsburger Fachhochschule. Von 1973 bis 1976 besuchte er die Fachschule für Holzbildhauer in Oberammergau, danach bis 1982 die Hochschule der Künste in Berlin, wo er zum Meisterschüler ernannt wurde. Er erhielt 1982 ein Atelierstipendium der Karl-Hofer-Gesellschaft. Danach folgten zahlreiche Kunstprojekte und Ausstellungen im In- und Ausland. 1990 zog Schnackenberg nach Bonn und wurde 1991 Gastdozent an der Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter. Dort erhielt er 2005 eine Berufung als Professor für Bildhauerei. Heute lebt und arbeitet er in Unkel.


Dr.Ronte zitiert aus Rainer Maria Rilke's Sonette #9 an Orpheus: "Wisse das Bild."

 

In Linz zeigt Schnackenberg nun abseits der Bildhauerei wichtige andere Facetten seines künstlerischen Schaffens: großformatige Mixed Media Digitaldrucke hinter Acryl. Diese Arbeiten entführen den Besucher in eine wahrhaft vielschichtige Welt. Denn Schnackenbergs „Weltbilder“ sind wundervoll komponierte Arrangements aus Fotofragmenten, frühen Zeichnungen und anderen collagierten Elementen, die den Betrachter unwiderstehlich in ihren Bann ziehen – und dies auch im Wortsinn. Spiegelt sich der Betrachter doch in der Acryloberfläche und wird so selbst Teil des Bildes – ein vom Künstler ganz bewusst eingesetzter Effekt.


Dr.Dieter Ronte ein Freund des Linzer Kunstvereins bei seiner Einführung

 

Hintergrund aller „Weltbilder“ sind - jeweils mehr oder weniger deutlich sichtbar – Weltkarten. Fragmente von Worten und Schriften, die Zuordnung von Orten, Ländern und Kontinenten sind nicht nur Elemente der Komposition. Sie liefern dem Betrachter auch zusätzliche Orientierung, um die abgebildeten Elemente in einen geografischen, politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontext zu stellen.

 


Weltbild Theater

unten: Weltbild Theater mit Spiegelung aus dem Fenster:

 

Schnackenberg zieht die Ausstellungsbesucher hinein in unterschiedliche Bewusstseinswelten. Er treibt sein Spiel mit realen Welten auf der einen und virtuellen und illusionistischen Welten auf der anderen Seite. Die subjektiven persönlichen Assoziationen jedes einzelnen Betrachters fügen sich so zu dessen ureigener Bildwelt zusammen, wobei Schnackenberg das Erfahren und Erleben, die Interpretation seiner Arbeiten durchaus zu steuern versucht. Unterschiedliche, fein differenzierte Farbstimmungen liefern Anhaltspunkte zur rationalen und emotionalen Orientierung: kalt oder warm, hell oder düster, aufwühlend oder beruhigend. „Der Betrachter sieht oder erlebt seine eigene Welt, weil sich seine Bezugspunkte mit den Elementen des Künstlers vermengen“, so Schnackenberg.

 

Außergewöhnlich gelungen ist die Farbgebung in den Werken Schnackenbergs. Ungeheure Wucht harmoniert mit subtilen Farbübergängen, nuancierteste Abstufungen erzielen ein Farberlebnis von selten gesehener Intensität und Schönheit.

 

Sind Schnackenbergs Weltbilder geprägt durch Abbildungen und Interpretationen realer Gegenstände und konkreter Situationen – in „Weltbild Vision“ etwa Gebäudefragmente, Fotos von Ateliersituationen mit Aktmodell oder vergrößerte Tuschfederzeichnungen aus den späten achtziger Jahren – verlässt der Künstler mit der Arbeit „Delpasse Effekt“ den Bereich des realen physischen Daseins.


delpasse-effekt

Thema ist hier nun der kaum erforschte Bereich zwischen Leben und Tod. Von der Wissenschaft zwar teilweise akzeptiert, aber längst nicht schlüssig erklärt, betritt der Künstler hier eine Ebene, die die Vorstellung der meisten Menschen – nicht nur von der Forschung, sondern auch von der Religion allein gelassen – überschreitet. Hier liefert Schnackenberg seine eigene Deutung und Sichtweise des Phänomens, dass er selbst als die Spiegelung und Rückkopplung erlebter Erinnerungen, ausgelöst durch chemische Reaktionen im menschlichen Gehirn, beschreibt.


ich bin der Welt abhanden gekommen

Zu seiner Arbeit „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ wurde der Künstler durch das gleichnamige Gedicht von Friedrich Rückert inspiriert. Der Text ist subtil in Schnackenbergs Arbeit integriert und wird bei genauem Hinschauen sichtbar und lesbar. Schnackenberg befasst sich hier mit der bewussten oder unbewussten, mit der freiwilligen oder erzwungenen Abkehr des Menschen von realen Daseinssituationen in eine eigene, in eine andere Welt.  

 

Neben diesen großartigen Mixed-Media-Drucken zeigt Schnackenberg auch zwei Videos. „Wisse das Bild“ ist die subjektive Interpretation des Künstlers über den Ursprung des Lebens durch die Darstellung des Urelements Wasser in unterschiedlichsten Facetten. Im Video „if you can leave your hat on“ spielt Schnackenberg mit bürgerlichen virtuellen Fantasien. Mit der Kamera über Spiegeln aufgenommene Ansichten vermischen reale und künstlerische Welten und erzeugen ein ironisches Verwirrspiel unterschiedlicher Illusionsebenen.

 

Alles zusammen eine Ausstellung, die sich zu besuchen lohnt. Zu sehen in den Räumen des Kunstvereins Linz, Asbacher Str. 2, bis zum 02.11.  donnerstags und freitags von 17 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

 


 

Auf YouTube und im kleinen Ausstellungsraum gibt's ein Wiedersehen und Wiederhören mit Joe Cocker in Schnackenbergs Schlafzimmer:

"if you can leave your hat on"

 

 

 

„WISSE das BILD“

Rainer Maria Rilke
Die Sonette an Orpheus

Geschrieben als ein Grab-Mal für Wera Ouckama Knoop

 

Château de Muzot im Februar 1922

 

 

IX

Nur wer die Leier schon hob

auch unter Schatten,

darf das unendliche Lob

ahnend erstatten.

Nur wer mit Toten vom Mohn

aß, von dem ihren,

wird nicht den leisesten Ton

wieder verlieren.

Mag auch die Spieglung im Teich

oft uns verschwimmen:

Wisse das Bild.

Erst in dem Doppelbereich

werden die Stimmen

ewig und mild.

 

 

 

 

 

Öffnungszeiten

Do./Fr. 17.00 - 19.00 Uhr
Sa./So. 14.00 - 18.00 Uhr

 

Kunstverein Linz am Rhein e.V. . Asbacher Straße 2 . 53545 Linz am Rhein

 

 

 

 

Fotos: L.U.Schnackenberg und W.W.Diegmann

 

 



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