Marion Menzel 29.9. - 27.10.2012

 

Marion Menzel zu Gast im Linzer Kunstverein.

Vernissage am Samstag, den 29. September 18:00 h

 


„Vernissage-Impressionen der Kunstausstellung Marion Menzel“:

 


   
Timothy Jones, der ein für die Ausstellung komponiertes Stück auf der Violine vorträgt.

 

Vom 29. September bis zum 27. Oktober 2012 ist die Kölner Künstlerin Marion Menzel mit Installationen und ihren Objektserien in dem Räumen des Linzer Kunstvereins zu Gast. Zur Vernissage am Samstag, den 29. September um 18 Uhr gibt die Kunsthistorikerin Dr. Susanne Wischermann eine Einführung in die Ausstellung und in die Arbeit der Künstlerin, für die musikalische Umrahmung sorgt Timothy Jones auf der Violine.

Timothy Jones,  Lars-Ulrich Schnackenberg, der Vorsitzende des Kunstvereins, die Künstlerin Marion Menzel und die Kunsthistorikerin Dr. Susanne Wischermann.


Marion Menzel begann ihre künstlerische Karriere mit Stoffbildern, in der sie sich auch in einer persönlichen Reflektion und Stellungnahme mit dem Thema „Frau“ auseinandersetzte. Nach dieser Phase ihres Schaffens entstanden dann Reihen von Skizzen, Zeichnungen und kleinen Fundstücken, allesamt aufgezogen auf dicke Keilrahmen. Die blockartigen Wandobjekte werden je nach Kontext und Raumsituation in immer wieder neuen Kombinationen als Fries zusammengefügt. In den letzten Jahren nun ist das bevorzugte Material der Künstlerin Tee bzw. Teeblätter, aus denen ihre Objekte und Installationen entstehen.

 

Diese Arbeiten zeigt sie nun im Linzer Kunstverein. Ihre Skulpturen, oft sind es alltägliche Gegenstände wie Headsets, Schuhe, Arbeitshandschuhe oder auch Kugeln und Blüten, überzieht sie mit Teeblättern. Die Blätter werden mit einem speziellen Leim vermischt und durch eine besondere Versiegelung haltbar gemacht. Durch diese Nachbearbeitung erhalten sie ihren natürlichen Farbton zurück. Je nach Lichteinfall changieren die Farben vom tiefen Schwarz zum dunklen Braun. Nicht nur, dass durch Menzels Arbeitstechnik der natürliche Auflösungsprozess gestoppt wird – es entsteht auch eine eigenartige Spannung in der Betrachtung und in der Auseinandersetzung mit den Objekten: Der optische Eindruck verspricht eine weiche und sanfte Oberfläche, in Wahrheit ist diese jedoch hart und kratzig. Eine bizarre Erscheinung, die neue Realitäten schafft und ein Spiel mit der subjektiven Wahrnehmung treibt. In neuester Zeit kombiniert die Künstlerin den Tee mit anderen Materialien wie Rosshaaren, Kautschukschnüren, Wäscheleinen oder auch Kunstharz.

 

Menzels Tee-Objekte gründen in der Tradition der Arte Povera und des Nouveau Réalisme einerseits und in der jahrtausende alten Auffassung der Skulptur als ewig Währendes andererseits. Die Künstlerin hat ihren ureigenen Weg gefunden, das organische Material Tee vor dem Zerfall zu bewahren und mit ihren skulpturalen Objekten zeitüberschreitende und einzigartige Kunstwerke zu schaffen.

 

Marion Menzel wurde in Langenfeld geboren und absolvierte eine Ausbildung als grafische Zeichnerin in Düsseldorf. Danach studierte sie Malerei, Bühnenbild und freie Grafik bei den Professoren Marx, Will und Sovác an der Fachhochschule für Kunst & Design, Köln. Sie lebt und arbeitet in Köln.

 

Die Ausstellung von Marion Menzel ist vom 29. September bis zum 27. Oktober 2012 jeweils donnerstags und freitags von 18 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr in den Räumen des Kunstvereins Linz, Asbacher Straße 2, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Parkhaus hinterm Kunstverein.

 

 

 

Die Tee-Objekte von Marion Menzel verknüpfen in zwei Traditionen der Kunstentwicklung im 20. Jahrhundert. Einerseits die der Arte Povera und des Nouveau Réalisme, ohne die ein organisches Material als Medium nicht denkbar wäre, und andererseits die Jahrtausende alte Auffassung der Skulptur als ewig Währendes. Menzel hat einen Weg gefunden, das organische Material Tee dem Zerfallsprozess zu entreißen und es so quasi ‚für die Ewigkeit’ zu präparieren.

Dass das Material eine besondere Rolle spielt, wird durch die Wiedererkennbarkeit der Formen signalisiert. Die Formen geben bei Menzels Objekten keine Rätsel auf, sie sind leicht zu identifizieren: Schuhe, Kugeln, Blüten, Beutel oder Einzeller. Die Form soll nicht auf eine falsche Fährte führen, denn es geht um das Material und die Placierung des Werkes im Raum. Dreidimensionalität im Kleinen wie im Großen. Die Teeblätter werden durch Versiegelung haltbar gemacht und bekommen durch Nachbearbeitung ihren ursprünglichen Farbton zurück. Nicht nur, dass Menzel dadurch den natürlichen Auflösungsprozess unterbricht – es entsteht auch eine bizarre Oberfläche, die eine neue Realität schafft. Wahrhaft künstlich und doch berührbar, begreifbar.

 

Beginnend in den 70er Jahren war für Menzel die Auseinandersetzung mit dem Thema „Frau“ auch eine persönliche Stellungnahme und Reflektion. Die Frau als Göttin, als Sexualobjekt, als durch Träume gebeuteltes Wesen. Aus diesem Prozess heraus entstanden zahlreiche Stoffbilder. Als diese Phase abgeschlossen war, änderten sich auch die Materialien. Die Affinität zum Dreidimensionalen blieb. Auch die Liebe zum Wiedererkennbaren.

Die Friesbilder ziehen sich wie ein roter Faden durch das Gesamtoeuvre der Künstlerin. Sie behandeln eigentlich Alltagsgeschichten, und sind Skizzenbüchern entnommen, die Menzel wie Tagebücher führt. Hier werden kleine Ereignisse festgehalten – und dies buchstäblich, denn die Bilder zeigen oft kleine Fundstücke wie z. B. eine abgebrochene Messerspitze oder einen Rest Kaffeeprütt, der von einem Atelierplausch übrig blieb. Es sind z. T. aber auch Vorstudien zu neuen Arbeiten. Sie als „Bilder“ zu bezeichnen ist eigentlich schon irreführend, auch wenn sie tatsächlich als rechteckige Formate für eine Wand konzipiert sind. Bilder und damit Malerei sollte ja bis ins 20. Jahrhundert eine Dreidimensionalität vortäuschen, die realiter auf der zweidimensionalen Fläche gar nicht vorhanden war.

Mit Illusion haben die Wandobjekte von Marion Menzel nichts zu tun, selbst wenn es Zeichnungen sind. Es geht immer um Wirklichkeit – und die ist dreidimensional. Die Konsequenz aus dieser Haltung ist das Aufziehen der Bilder auf dicke Keilrahmen. Als blockartige Wandobjekte grenzen sie sich eindeutig und ganz dezidiert von dem Status eines Bildes ab. Mittlerweile gibt es über hundert Exemplare, die aber je nach Kontext immer wieder zu neuen Kombinationen, als Fries, zusammengefügt werden können.

 

 

Fotos Marion Menzel und Gerd Kaminski von der Vernissage


zurück

(c) 2012 Kunstverein Linz e.V. | Impressum | Datenschutzerklärung | powered by flöck-webdesign.de
Wir verwenden Cookies für die optimale Gestaltung der Webseite. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung | Impressum