Peter Angermann - "Urlaub für immer" 28.04.– 26.05.2012

 

 

„Die Unmittelbarkeit einer hohen malerischen Intelligenz“:

Peter Angermann im Kunstverein Linz

 

  Ausstellung vom 28.04. bis 26.05.2012

 

Die aktuelle Ausstellung im Kunstverein Linz mit Arbeiten von Peter Angermann wurde am Samstag mit einer Einführung von Professor Dieter Ronte eröffnet. Der ehemalige Leiter des Bonner Kunstmuseums erläuterte an dem großformatigen Landschaftsbild „Höll 2“ die Handschrift des Künstlers, in der gemalten Idylle hintersinnige und vielschichtige Botschaften zu verbergen.



In der Arbeit „Hinten, fern“ setzt sich Angermann mit der medialen Wirklichkeit unserer Zeit auseinander. Über Fernsehen und Internet werden die grauenvollen Bilder von Krieg, Gewalt und Terror in unsere Wohnzimmer und Köpfe transportiert; sie bleiben trotz ihrer Intensität austauschbar und flüchtig. Erst der Maler schafft das Bild, das sich dauerhaft einprägt und seine Wirkung entfaltet. Ronte verweist beispielhaft auf Parallelen in Picassos Guernica und in den Arbeiten Goyas.

 

Trotz aller Ernsthaftigkeit zeigt sich Professor Ronte begeistert: „Eine der wenigen Ausstellungen, die gleichzeitig Spaß machen und dabei trotzdem zum Nachdenken anregen.“ Die Arbeiten beeindrucken ihn durch „die Unmittelbarkeit einer hohen malerischen Intelligenz“; Angermann selbst bezeichnet er als einen im Wortsinn wirklich „freien“ Künstler, der sich keiner Theorie und keiner Kunstrichtung unterworfen hat.

 

Peter Angermann ist ein bekannter Künstler, der als Maler mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland erfolgreich war, mit seinen Arbeiten in Museen und im öffentlichen Raum vertreten ist und als Professor an renommierten Kunsthochschulen gelehrt hat.

 

All das macht Angermann zu einem Mitglied des etablierten Kunstbetriebs. Aber gerade dieser Kunstbetrieb ist es, der den Künstler immer wieder umtreibt, ihn zum Widerspruch reizt, dem er den Spiegel vorhält, an dem er sich inhaltlich und stilistisch reibt und den er in seiner ureigenen Art ad absurdum führt.

 

Schon in seiner Düsseldorfer Zeit legte er sich damals mit Joseph Beuys an. Wenn das Malen einer Idylle unmöglich erschien, so malte er diese mit gnadenlosem Hintersinn. Heimatmalerei gilt als übelste Provinzialität: Angermann stellt voller Ironie unter diesem Etikett aus.

 

Das Werk Peter Angermanns umfasst zwei große Themenkomplexe: Neben den gemalten Landschaften entstehen als zweite wichtige Werkgruppe seine thematischen Bilder. Seine Landschaftsbilder malt der Künstler in sogenannter Pleinairmalerei unter freiem Himmel. Oftmals spontane, effektvolle Impressionen, mit einer klaren und vereinfachenden Erfassung der Motive, geprägt durch eine satte Farbigkeit und teilweise in einer gewollt ungewohnten Farbharmonie.

 


Prof. Dieter Ronte, Peter Angermann, Prof. Uli Schnackenberg - Vors.Kunstverein Linz

 

Auch in diesen Landschaftsbildern arbeitet Angermann oftmals mit Brüchen, die sich nicht immer auf den ersten Blick erschließen. Die Naturidylle eines Sees zeigt im Hintergrund zwei Bagger in Aktion. So treibt er auch in anderen Arbeiten sein witzig-ironisches Spiel mit „kitschigen“ Motiven, die in der Kunstwelt als Zumutung empfunden werden.

 

Seine thematischen Bilder, die meistens großformatiger angelegt sind und im Atelier entstehen, werden oft durch Skizzen vorbereitet und in verschiedenen Fassungen realisiert, solange bis der Künstler mit dem Ergebnis zufrieden ist. In dieser Werkgruppe greift Angermann Probleme unserer heutigen Gesellschaft auf, die ihn seit längerem bewegen und die er bissig kommentiert.

 


Peter Angermann mit Prof. Gabrielle Oberreuter

Beispielhaft hierfür steht das Werk „Autonomoney“, der Titel zusammengesetzt aus „autonom“ und „money“. Es setzt sich mit der Verselbständigung des monetären Systems auseinander, einer globalen Geldwirtschaft, die den Menschen nicht mehr braucht und eine nicht mehr kontrollierbare Eigendynamik entwickelt. Und auch das Bild, das den Titel zur Einladung ziert und gleichzeitig der Ausstellung „Urlaub für immer“ ihren Namen gibt, ist diesem thematischen Teil dem Werk von Peter Angermann zuzuordnen. Und doch zeigt es gleichzeitig auch einen Landschaft, eine – wenn auch nur - vordergründige Urlaubsidylle. Kaum zu glauben, dass es sich bei dieser Bildauswahl nur um einen Zufall handelt.

 

   Peter Angermann
geboren 1945 in Rehau, Bayern

 

1966 bis 1968 studierte er Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Von 1968 bis 1972 war er Meisterschüler an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Joseph Beuys.

 

Angermann gründete 1969 die YIUP-Gruppe zusammen mit Robert Hartmann, Hans Rogalla, Hans Henin und Hans Heiniger. 1979 gründete er die Gruppe NORMAL mit Milan Kunc und Jan Knap.

 

Angermann war 1986 Gastdozent an der Kunsthochschule in Reykjavik und von 1992 bis 1993 Gastprofessor für Malerei an der Gesamthochschule Kassel. Von 1996 bis 2002 wirkte er als Professor für Malerei an der Staedelschule in Frankfurt am Main und ist seit 2002 Professor für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

 

Im Überblick:

1966-68 Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Kuenste in Nuernberg bei Gerhard Wendland
1968-72 Studium an der Kunstakademie Duesseldorf bei Joseph Beuys
1969 Gruendung der YIUP-Gruppe mit Robert Hartmann, Hans Rogalla, Hans Henin, Hans Heiniger
1979 Gruendung der Gruppe NORMALmit Milan Kunc und Jan Knap
1981 Lisa und David Lauber-Preis für Malerei
1986 Gastdozent an der Kunsthochschule in Reykjavik
1992-1993 Gastprofessur fuer Malerei an der Gesamthochschule Kassel.
1996-2002 Professor für Malerei an der Staedelschule in Frankfurt am Main
seit 2002 Professor für Malerei an der Akademieder Bildenden Kuenste in Nuernberg
Lebt und arbeitet in Thurndorf und Nuernberg

Einzelausstellungen(Auswahl) * = Katalog

2011
Peter Angermann, Kunstverein Weinheim*

2010
Peter Angermann, GalleryWon,Seoul
Peter Angermann,Daegu MBC, GalleryM, SuedKorea
Peter Angermann, Kunstverein Kirchzarten
Autonomoney, GalerieCaesar, Olomouc

2009
Autonomoney, Museen der Stadt Bamberg *
Autonomoney, Staedtische Galerie Klatovy *

2008
Autonomoney, Kunstvereinverein Ansbach
"Hinten,fern...", Galerie Sima, Nuernberg
Cadi fra,Milano

2007
Peter Angermann, Galerie Witteveen, Amsterdam

2005
Windmuehlen, GalerieSima, Nuernberg
Heimatmalerei, Kunstverein Heidenheim

2004
Peter Angermann, GalerieDelta, Rotterdam
Peter Angermann, GalerieAnita Beckers, Frankfurt am Main

2003
Peter Angermann, Cadi fra, Milano
Heimatmalerei, CampusGalerie,Bayreuth *
Heimatmalerei, KunstvereinWeiden

2001
pleinair, GalerieDefet, Nuernberg *
dontmiss Peter Angermann, Frankfurt am Main
2000
Mappenauswahl, Ausstellungshalle, Frankfurt am Main
Stochastix, Galerie Hartmut Beck, Erlangen

1999
Peter Angermann, Cadi fra,Milano
Peter Angermann, Galleria Alter, Torino

1995
PeterAngermann, Kunsthalle Nuernberg *
PeterAngermann, Galleria Nazionale di San Marino *

1993
Pleinair, Malerei 1991-1993, Galerie Defet, Nuernberg *
lavoiture verte, Galleria Toselli, Milano *

1992
StehenderVerkehr, Kasseler Kunstverein

1990
Galerie Ryszard Varisella, Frankfurt am Main

1989
Galleri Bengt Adlers, Malmoe
GalleriaToselli, Milano *

1988
Galerie Brigitta Rosenberg, Zuerich (mit HelgiFridjonsson)
Galeria Estampa, Madrid *

1987
Third Eye Gallery, Glasgow (mit Michael Reiter)

1986
Living Art Museum, Reykjavik

1983
Paintings, Dana Reich Gallery, San Francisco

1982
schilderijenen tekeningen, Galerie Swart, Amsterdam

1981
schilderijen, Galerie 't Venster, Rotterdam

1979
Galerie Traude Naeke, Nuernberg

1977
Galerie Defet, Nuernberg (mit Hartmut Kuhnke) *

1975
Galerie Hartmut Beck, Erlangen

Gruppenausstellungen(Auswahl)

2012
„Schlachtpunk.Malerei der Achtziger Jahre"*
31. Januar bis 29. April 2012, Kunsthalle Darmstadt

2011
"Fasterand Slower Lines",The Reykjavik Art Museum

2009
„100 Jahre – 100 Bilder",Deutsche Malerei im 20. Jahrhundert, Landesmuseum Oldenburg *
„Joseph Beuys und seine Schueler", Werke aus der Sammlung Deutsche Bank,
SakipSabanci Museum, Istanbul

2008
„Joseph Beuys und seine Schueler", Deutsche Bank Collection, Kunstmuseum Ahlen
„Pas de Deux - Wiesich die Bilder gleichen", Staedtische Galerie VillaZanders,
BergischGladbach
„Rauschende Gaeste" Die Sammlung Rausch und die Staedelschule
zu Gastim Hotel Marienbad, Berlin
"Parallelaktion",Altes Schloss, Bayreuth

2007
„Ziemlich hoch - Das Alpine in der zeitgenoessischen Kunst", Kunsthaus Kaufbeuren

2006
NormalGroup, TreviFlash Art Museum,Palazzo Lucarni *
NormalGroup, MACI Museo Arte Contemporanea Isernia

2005
GroupNormal in Prague Biennal,Carlin Hall, Prag *

2004
Laboite en valise, Akademieprofessoren aus Prag und aus Nuernberg
imKunstvereinWeiden

2002
GermanLandscapes, SA National Gallery in Cape Town

2001
Landschafteneines Jahrhunderts, Galerie Jesuitenkirche Aschaffenburg, etc.
aus der Sammlung Deutsche Bank *

2000
Contemporary Art from Germany, Museum of Capital Teacher´s University, Peking*

1997
Sidhumanismi, Kjarvalsstadir, Reykjavik
Wedergut noch boese, Galerie im Rathaus, Muenchen, Kronacher Kunstverein*
Die Sammlung Paul und Hanna Graeb

1995
Salutau Monde, Fries Museum, Leeuwarden *
(Landschaft) mit dem Blick der 90er Jahre, Mittelrhein-Museum Koblenz,
Museum Schloß Burgk an der Saale, Haus am Waldsee Berlin *
The Burrell Collection,Glasgow *

1993
Wege, Wehrer Kunstwochen, Stadthalle Wehr, Altes Schloß *
l'arcadi Noe, Trevi Flash Art Museum di Arte Contemporanea, Trevi*

1992
Freunde und Verwandte, (zusammengestellt von Peter Angermann) Kunsthalle Nuernberg *
Reiner Zitta, Andreas Tschinkl, Betty Stuermer, Harri Schemm, Dan Reeder, Gerlinde Pistner, Annette Haehnlein, Peter Hammer, Blalla W. Hallmann, Kevin Coyne, Toni Burghart, Reiner Bergmann, Peter Angermann

Museen

Bayerische Staatsgemaeldesammlung, Muenchen
Das Neue Museum in Nuernberg
MMKFrankfurt am Main
Hessisches Landesmuseum, Darmstadt
Centraal Museum, Utrecht
National Gallery of Iceland, Nylistasafn Islands ,Reykjavik
Groninger Museum
Germanisches Nationalmuseum, Nuernberg
Trevi Flash Art Museum di Arte Contemporanea
Deutsches Historisches Museum, Berlin
Museum Kelvingrove, Glasgow
Galleriad' Arte Moderna e Contemporanea, San Marino
StaatlicheKaliningrader Kunstgalerie
MACI Isernia
Museum Abteiberg, Moenchengladbach
Museum am Ostwall, Dortmund
Galerie Klatovy / Klenova

Veroeffentlichungen

1979 Mondbuch, Edition Galerie Hartmut Beck, Erlangen
1982 Leonardo und Walt Disney betrachten das Abendland
Edition Galerie Hartmut Beck, Erlangen
1986 Gruppe Normal, Graphikmappe des Griffelkunstverlags, Hamburg
1988 Made in Madrid, Edition Galeria Estampa, Madrid
1989 Graphikmappe, Edition Beckers, Frankfurt am Main
1990 Peter Angermann, Graphikmappe des Griffelkunstverlags, Hamburg
1992 Winterreise, Edition Galerie Hartmut Beck, Erlangen
Mondbuch2, Edition Galerie Hartmut Beck, Erlangen
1994 Epilog für einen betrunkenen Drucker, Verlag Klaus Renner, Muenchen,
Galerie Hartmut Beck, Erlangen
2000 Stochastix, Galerie Hartmut Beck, Erlangen

Kunst im oeffentlichen Raum

1985 U-Bahnhof "Hohe Marter", Nuernberg, Computergraphisches Mosaik, 1200 qm
1986 Computermosaik "Zellulaerer Automat" im Treppenhaus des Fernmeldeamts Nuernberg
1999 Installation "Hier und jetzt", Simon-Ohm-Fachhochschule Nuernberg

Buehne

1999 Ausstattung von "Haensel und Gretel" von Humperdinck, Oper Nuernberg

 

Peter Angermann lebt und arbeitet in Thurndorf und Nürnberg.

 

Fotos Sarah Thomsen


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